Staatlich oder privat – Welche Hochschulform passt zu mir?

Abschluss
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Da es bei uns in Deutschland aufgrund der „Akademisierung“ von Jahr zu Jahr immer mehr Studierende gibt, steigen auch in jedem Jahr die Anmeldungen an den deutschen Hochschulen. Dies ist auch einer der Hauptgr√ľnde f√ľr die Tatsache, dass gerade an staatlichen Hochschulen die Studienangebote immer knapper werden, was an einzelnen Bildungseinrichtungen dieser Art zu sehr langen Wartelisten f√ľhren kann.

F√ľr Interessenten besteht allerdings schon seit recht langer Zeit nicht nur die M√∂glichkeit, ihr Studium an einer staatlichen Einrichtung zu absolvieren. Gerade in den letzten Jahrzehnten haben sich neben den staatlichen Hochschulen auch immer mehr Hochschulen unter privater F√ľhrung etabliert. Laut Wissenschaftsrat handelt es sich bereits bei 5 % aller Studierenden in Deutschland um Menschen, die ihren akademischen Bildungsweg an einer privaten Hochschule beschreiten.

Allerdings genie√üen private Bildungseinrichtungen dieser Art sowohl bei Interessenten, als auch in diversen anderen akademischen Kreisen oft keinen sonderlich guten Ruf. Viele halten (verglichen mit staatlichen Einrichtungen) private Hochschulen lediglich f√ľr eine Anlaufstelle f√ľr all diejenigen, die aus diversen Gr√ľnden kein Studium bei einer √∂ffentlichen (staatlichen) Hochschule beginnen k√∂nnen, oder wollen.

Sie gelten in der Hinsicht daher f√ľr viele nur als „zweite Wahl“. Welche Aspekte genau bei diesen privaten Einrichtungen eine Rolle spielen, und wodurch sie sich von staatlichen Bildungstr√§gern unterscheiden, l√§sst sich durch das Lesen dieses Artikels in Erfahrung bringen.

Studiengeb√ľhren

In den vergangenen Jahrzehnten wurden die allgemeinen Studiengeb√ľhren bei staatlichen Hochschulen nach und nach abgeschafft, sodass im Grunde jeder Studienberechtigte (unabh√§ngig der eigenen finanziellen Lage) ein Erststudium beginnen und absolvieren kann. Die einzige Ausnahme bilden dabei einige Bundesl√§nder – und das auch nur bei Langzeitstudierenden, Senioren im Seniorenstudium, und Ausl√§ndern. Bei manchen anderen Modellen, wie etwa einem Zweitstudium, oder einem berufsbegleitenden Studium k√∂nnen ebenfalls noch Studiengeb√ľhren anfallen, welche sich monatlich durchaus auf einen drei- bis vierstelligen Betrag belaufen k√∂nnen (je nach Bundesland).

Bei privaten Hochschulen hingegen geh√∂ren vergleichsweise hohe Studiengeb√ľhren wohl zu den gr√∂√üten Nachteilen dieser Einrichtungen (verglichen mit ihren staatlichen Gegenst√ľcken). An der privaten Universit√§t Witten / Herdecke muss beispielsweise ein Student, der seinen Bachelor machen m√∂chte, um die 20.000 Euro bezahlen. Durchschnittlich belaufen sich die monatlichen Kosten bei einem Bachelorstudiengang an privaten Hochschulen auf ungef√§hr 520 Euro. Es gibt zwar recht oft diverse Finanzierungsmodelle, um diese Geb√ľhren zu stemmen, jedoch k√∂nnen sich die kompletten Kosten f√ľr einen ganzen Studiengang an einer privaten Hochschule nicht alle Interessenten leisten.

Das Absolvieren eines Studiums bei einer staatlichen Bildungseinrichtung ist zwar auch mit nicht gerade unerheblichen Kosten verbunden, allerdings ist das Studium selbst nicht in dem Ausma√üe an die finanziellen Rahmenbedingungen gekn√ľpft, wie es in der Regel bei privaten Hochschulen der Fall ist.

Zulassungsvoraussetzungen

Wie bereits erl√§utert, genie√üen private Hochschulen im Vergleich zu ihren staatlichen Gegenst√ľcken bei vielen Menschen nicht unbedingt den besten Ruf. Einer der Gr√ľnde daf√ľr ist das weit verbreitete Vorurteil, dass auf privaten Einrichtungen dieser Art nur die Kinder von wohlhabenden Eltern studieren, deren NC nicht f√ľr den eigentlich angestrebten Studiengang einer √∂ffentlichen Hochschule ausreicht. In den meisten F√§llen entspricht dieses Vorurteil jedoch nicht der Wahrheit, da es auch an privaten Hochschulen f√ľr diverse Studieng√§nge h√§ufig entsprechende Zulassungsvoraussetzungen gibt.

Wenn es allerdings um die Verteilung der Studienpl√§tze unter den Bewerbern geht, werden h√§ufig andere Methoden genutzt, als an Hochschulen in staatlicher Hand. W√§hrend diese √ľberwiegend auf die Abiturnote, bzw. den NC setzen, f√ľhren private Hochschulen f√ľr die Auswahl ihrer Studenten oft Eignungstests, Bewerbungsgespr√§che und Assessment-Center durch. Mit diesen Vorgehensweisen soll sowohl die Motivation, als auch die pers√∂nliche Eignung der Bewerber √ľberpr√ľft werden.

Durch diese Prozedere k√∂nnen auch Interessenten an einen Studienplatz kommen, denen dieser Studiengang auf einer staatlichen Hochschule verwehrt geblieben w√§re. Die relativ niedrige Abbruchquote bei Studenten an privaten Einrichtungen belegt auf jeden Fall die Tatsache, dass diese „spezielleren“ Auswahlmethoden einen gewissen Mehrwert bieten.

Der akademische Alltag

Der komplette Studienablauf ist bei staatlichen und privaten Hochschulen in einigen Punkten sehr unterschiedlich. Private Einrichtungen fahren in der Regel ein sehr straffes und gut durchgeplantes Programm, w√§hrend staatliche Hochschulen ihren Studenten wesentlich mehr Flexibilit√§t und Freiheit bieten. Letzteres ist vor allem f√ľr die Studententypen geeignet, die lieber selbstst√§ndig und autonom arbeiten. Und Qualit√§ten in diesem Bereich sind auf dem Arbeitsmarkt immer gefragt.

Doch auch der strengere Ablauf an privaten Bildungseinrichtungen dieser Art bietet diverse Vorteile. W√§hrend die Abbruchquote an Hochschulen in staatlicher Hand (je nach Einrichtung) durchaus mal auf 25 % klettern kann, beenden √ľber 90 % aller Studenten einer Privat-Hochschule auch ihr Studium. Dar√ľber hinaus zeichnen sich staatliche Universit√§ten oft durch zu volle H√∂rs√§le aus, sodass dort wesentlich mehr „Massenabfertigung“ stattfindet, wenn es um die Betreuung und F√∂rderung der Studenten geht. Private Hochschulen hingegen bieten oft wesentlich kleinere Lerngruppen, sodass eine deutlich bessere F√∂rderung und Betreuung gew√§hrleistet wird.

Angebot der Fächer

Auch wenn private Anbieter im Vergleich zu staatlichen Hochschulen durchaus einige Vorteile bieten, können sie im Regelfall nicht mit dem Fächerangebot von öffentlichen Universitäten mithalten. Während bei diesen oft mehrere hundert unterschiedliche Studiengänge angeboten werden, ist die Fächerauswahl bei privaten Anbietern in der Regel deutlich kleiner. Oft haben diese nämlich lediglich Studiengänge aus ganz bestimmten Berufsfeldern im Angebot, wie beispielsweise Wirtschaft oder Technik.

Chancen nach dem Studium

Sowohl viele Dozenten, als auch zahlreiche Studenten an staatlichen Anbietern sind nach wie vor dem Vorurteil erlegen, dass sich Abschl√ľsse bei privaten Hochschulen praktisch „erkaufen“ lassen, sodass sie auf dem Arbeitsmarkt im Grunde kaum etwas wert w√§ren. Auf dem Papier sieht die Sache jedoch so aus, dass die Abschl√ľsse von beiden Hochschulmodellen vom gleichen Wert sind, da beide Abschl√ľsse volle staatliche Anerkennung bekommen.

Wie der einzelne Abschluss in der Arbeitswelt wahrgenommen wird, h√§ngt dabei vielmehr von der Haltung des jeweiligen Arbeitgebers ab. Prinzipiell lassen sich jedenfalls keinerlei Nachteile f√ľr die Abg√§nger von privaten Anbietern feststellen. Tats√§chlich ist es sogar so, dass ein Absolvent einer privaten Hochschule im Regelfall nach dem Studium deutlich schneller an eine Festanstellung kommt, als Studenten von Einrichtungen, die sich in staatlicher Hand befinden.

Einer der Gr√ľnde daf√ľr ist, dass nicht gerade wenige private Hochschulen relativ enge Kontakte zu diversen Unternehmen pflegen, und daher ihre Studenten nach Abschluss ihres Studiums entsprechend unterst√ľtzen und vermitteln k√∂nnen.

Fazit

Grunds√§tzlich l√§sst sich nicht pauschal bestimmen, ob private oder staatliche Hochschulen das bessere Angebot f√ľr Interessenten haben, da beide Modelle √ľber entsprechende Vor- und Nachteile verf√ľgen. Wer sich zwischen diesen beiden Modellen entscheiden muss, tut gut daran, sich √ľber die Akkreditierung der jeweiligen Hochschulen zu informieren, da durch sie eine Ausbildung mit Mehrwert gew√§hrleistet wird.

Dar√ľber hinaus ist es im Vorfeld sehr ratsam, sich √ľber den Ruf der infrage kommenden Hochschulen zu informieren. Au√üerdem muss sich jeder, der sich f√ľr ein Studium an einer privaten Hochschule interessiert, √ľber die relativ hohen finanziellen Belastungen im Klaren sein.

Abschließend lässt sich jedenfalls sagen, dass die Frage nach dem richtigen Hochschulmodell am Ende eine Typfrage bleibt, zumal sich die beruflichen Chancen nach dem Studium bei diesen beiden Modellen im Grunde nicht voneinander unterscheiden.

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